Traumprinz (David Safier) – Traummann malen leicht gemacht

Rezensionen / Montag, 9.April.2018

Es gibt wenige Autoren, von denen ich behaupten kann, ich habe 75 Prozent ihrer Bücher gelesen. Bei David Safier kann ich es. Die 2016 erschienene Liebeskomödie Traumprinz ist dabei sein aktuellstes Werk. Starke Frauen, Humor und phantastische Elemente sind der Grundpfeiler seiner Werke. Klickt und lest was mich begeistert!

Klappentext

Du findest keinen? Mal dir einen!
Welche Frau würde sich nicht gerne den perfekten Mann malen? Die verträumte Comiczeichnerin Nellie hat schlimmen Liebeskummer, als ihr zufällig eine alte tibetische Lederkladde in die Hände fällt. In die zeichnet Nellie ihren Traumprinzen: stark, edel und dreitagebärtig. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, hat der Prinz das Zeichenblatt verlassen und steht leibhaftig vor ihr. Mit Schwert und Kettenhemd. Gemeinsam mit dem ungestümen Prinzen namens Retro macht Nellie sich in Berlin auf die Suche nach dem Geheimnis der magischen Kladde. Denn alles, was man in sie hineinzeichnet, erwacht zum Leben. Dabei erlebt das ungleiche Paar jede Menge Abenteuer: Nellie und Retro kämpfen gegen Skinheads, sie fliehen vor der Polizei und stellen fest, dass böse Kräfte mit der Magie der Lederkladde die Welt zerstören wollen. Das größte Abenteuer jedoch, das die beiden zu bestehen haben, ist das der Liebe.

Fakten

  • Autor: David Safier
  • Verlag: Kindler/rowohlt
  • Erscheinungsdatum: 27. Oktober 2016
  • Sprache: Deutsch
  • Seitenzahl: 320
Buchcover, David Safier, Traum Prinz, Karikatur Frau trägt mittelalterlichen Prinzen

Zum Buch

Traumprinz wird beim rowohlt Verlag unter den Rubriken „Moderne und zeitgenössische Belletristik“, „zeitgenössische Liebesromane“, „Belletristik“ und „Humor“ geführt. Doch das Genre „phantastische Belletristik“ sucht man vergebens. Dabei ist der Roman Traumprinz neben Liebesroman und Komödie genau das – Phantastik.

Die Geschichte handelt von der etwas verpeilten Comiczeichnerin Nellie. Geplagt von Liebeskummer, aufgrund einer wirklich blauäugigen Männerwahl, zeichnet sie gedankenverloren in ein magisches Notizbuch. Natürlich hat sie keine Ahnung, worum es sich handelt und welche Auswirkung ihre Zeichnerei hat. Denn anstatt, dass ihr gezeichneter Held dableibt wo er hingehört – auf dem Papier – steht er plötzlich vor ihr und hält ihr sein Schwert an die Kehle. Uncool, wie Nellie sagen würde. Doch als sei ein lebender mittelalterlicher Prinz, der eigentlich gar nicht existieren dürfte, nicht genug, steht plötzlich der eigentliche Besitzer des Notizbuchs auf der Matte und verlangt nicht gerade sanft sein Hab und Gut zurück. Nach einigen Querelen lernen Nellie und Retro von Amanpour, dass sie nur zusammen eine Chance haben, Retro in seine Welt zurückzuschicken und das Notizbuch zu zerstören. Das dabei entstehende Gefühlschaos und der grobe Ablauf der Story mag LeserInnen von Mieses Karma oder anderen Safier-Romanen dabei durchaus bekannt vorkommen.

Nicht selten schlägt man beim Lesen die Hände über dem Kopf zusammen oder möchte Nellie einfach einmal ganz kräftig durchschütteln. David Safier trifft immer genau den Ton, der den Leser zur schieren Verzweiflung bringt, ob der Blauäugigkeit oder Tollpatschigkeit seiner Protagonisten. Insbesondere Nellie ist ein Parade-Beispiel für gewollt-doch-nicht-geklappt. Dennoch zeichnen sich David Safiers Romane insbesondere durch seine Affinität zu starken Protagonistinnen aus. Auf den ersten Blick wirken sie immer wie die kleinen verschüchterten Dummchen, die vollkommen blauäugig durchs Leben laufen. Doch mit der Zeit entdecken sie, angefeuert durch verschiedene Ereignisse, ihre innere Stärke und retten nicht selten ihre Liebsten aus einer brenzligen Situation. Meist durch ein selbstloses Opfer ihrerseits.

Liebhaber von bebilderten Romanen kommen bei Traumprinz definitiv auf ihre Kosten. Da Nellie Hobby-Zeichnerin ist, enthält der gesamte Roman Zeichnungen von Retro, Geschehnissen der Story oder auch Vorstellungen aus Nellies Kopf. Die Zeichnungen lockern die eh schon lustige Geschichte weiter auf und geben nicht selten Anlass zum Schmunzeln.

Der Autor und sein Schreibstil

David Safier ist bekannt für seine humoristischen Romane, wie Mieses Karma und Jesus liebt mich. Insbesondere die Roman-Verfilmung von Jesus liebt mich mit Florian David Fitz in der Rolle des Jesus hat dem Bremer Autor große Aufmerksamkeit beschert. Inzwischen wurde auch die schaurig-lustige Komödie Happy Family verfilmt. Safier wurde 1966 geboren und lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Bremen.

Der gelernte Journalist arbeitete zunächst im Hörfunk und fürs Fernsehen, wo er seit 1996 hauptsächlich Drehbücher verfasste. Sein Romandebüt feierte der 52-Jährige 2007 mit der Liebeskomödie Mieses Karma. Insgesamt veröffentliche er bisher acht Romane, wovon sieben in der humoristischen Tradition von Mieses Karma stehen. Der 2016 erschienene Traumprinz ist dabei sein aktuellster Roman.

Der Schreibstil von David Safier zeichnet sich insbesondere durch seine Leichtigkeit aus. Die Sätze sind in der Regel kurz und dabei so bildlich, dass ganze Welten und Szenen im Kopf des Lesers entstehen. Seine Figuren erhalten immer eine eigene Sprache, die zumeist eher flapsig ist. Der Roman Traumprinz bildet dabei keine Ausnahme. Die chaotische Nerdin Nellie nutzt ganz selbstverständlich Begriffe wie „Hipster-Style“ und „Yup“. Während Prinz Retro gerne in die Sprachmelodie eines mittelalterlichen Prinzen verfällt. Dabei wird die gesamte Geschichte aus der Sicht von Nellie geschildert. Der Leser bekommt regelrecht das Gefühl in ihrem Kopf zu sitzen, ob er will oder nicht. Ihre inneren Monologe und Gedankengänge beleben die gesamte Geschichte und tragen maßgeblich für das Amüsement des Lesers bei.

Fazit

Tatsächlich gibt es nur zwei Romane von David Safier, die ich noch nicht gelesen habe. Zum einen die Komödie Happy Family und zum anderen den 1945-Roman 28 Tage lang, der die fiktive Geschichte über einen Widerstand im Warschauer Ghetto erzählt. Während Happy Family schon lange auf meiner Wunschliste steht, ist 28 Tage lang erst während der Recherche zu dieser Rezension in mein Blickfeld gerückt. Es interessiert mich sehr wie ein Komödien-Autor mit einem solch ernsten Thema umgeht, so dass es nun auch auf meiner Wunschliste landet.

Unabhängig davon, dass ich die bisher gelesenen Romane von David Safier großartig finde, ist auch Traumprinz ein Erfolg. Obwohl ich in der groben Storyline an ein paar Stellen Parallelen zu seinen früheren Werken sehen konnte, habe ich mich dauerhaft gut unterhalten gefühlt. Traumprinz ist ein leichter Roman, der einen starken Kontrast zur Schwere manch anderer Phantastik-Werke, seien es Fantasy oder SciFi, bildet. Du hast schlechte Laune? Lies Traumprinz! Du brauchst mal Abwechslung von den epischen Schlachten? Lies Traumprinz! Du möchtest einfach mal abschalten ohne auf Intrigen zu achten? Lies Traumprinz!

David Safiers Schreibstil und die leichte, sehr lustige Geschichte machen Traumprinz zu dem perfekten Buch für zwischendurch. Hochklassisch anspruchsvolle Literatur bekommt man nicht geliefert. Aber seien wir ehrlich, immer wollen wir das auch gar nicht.

Die volle Bücherzahl kann ich Traumprinz leider trotzdem nicht geben. Für Safier-NeuleserInnen ist Traumprinz perfekt. Für Alt-LeserInnen sind mir die Parallelen zu seinen anderen Werken für eine 5-Bücher-Wertung allerdings zu groß. Aber alles in allem ist Traumprinz definitiv eine Empfehlung für alle, die eine kurzweilige, lustige Geschichte suchen.

Teilen:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.